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US-Casino-Gewinne: 30 Prozent Quellensteuer und Rückerstattung

29. Juli 202612 Minvon Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Ein Casino in Las Vegas mit US-amerikanischen Steuerformularen auf einem Tisch.

Reisende aus Deutschland erleben in Las Vegas oft eine böse Überraschung am Auszahlungsautomat. Sobald der Gewinn an einem Slot die Grenze von 1.200 US Dollar erreicht, sperrt das Gerät den Spielbetrieb. Ein Mitarbeiter nähert sich und verlangt den Reisepass für die Dokumentation. Die Grundlage hierfür bildet der Internal Revenue Code der Vereinigten Staaten von Amerika. Für Ausländer ohne US Wohnsitz greift in diesem Moment die sogenannte Federal Withholding Tax. Diese Steuer beträgt pauschal 30 Prozent der Gewinnsumme. Wer 4.000 Euro an einem einarmigen Banditen gewinnt, erhält somit nur 2.800 Euro bar auf die Hand. Das Casino stellt hierüber das Formular 1042-S aus. Dieses Dokument dient als offizieller Beleg für die einbehaltene Steuerlast gegenüber der US Finanzbehörde IRS. Deutsche Spieler müssen wissen, dass diese Steuer keineswegs endgültig verloren ist. Es gibt klare rechtliche Wege zur Rückholung der Gelder. Die gesetzliche Basis in Deutschland bildet der Glücksspielstaatsvertrag 2021 für Onlineangebote, während für Gewinne aus dem Ausland das deutsche Einkommensteuergesetz relevant bleibt. In Deutschland sind Casinogewinne grundsätzlich steuerfrei, sofern keine gewerbliche Tätigkeit vorliegt. Das Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika zur Vermeidung der Doppelbesteuerung regelt die Details in Artikel 22. Dort ist festgelegt, dass Einkünfte, die nicht explizit in anderen Artikeln genannt werden, nur im Wohnsitzstaat besteuert werden dürfen. Da Glücksspielgewinne keine Lohnarbeit oder Unternehmensgewinne darstellen, fällt das Besteuerungsrecht allein Deutschland zu. Da Deutschland diese Gewinne nicht besteuert, bleibt der Betrag für den Spieler netto erhalten. Viele Touristen lassen das Geld jedoch frustriert im Ausland zurück, weil der bürokratische Aufwand abschreckend wirkt.

Die rechtliche Grundlage der Quellensteuer in den USA

Die US-amerikanische Steuerbehörde IRS unterscheidet strikt zwischen Resident Aliens und Non-Resident Aliens. Deutsche Touristen fallen fast immer in die Kategorie der Non-Resident Aliens. Sobald ein Gewinn bei Bingo oder Slot-Maschinen die Grenze von 1.200 US-Dollar überschreitet, wird die Steuer fällig. Bei Keno liegt die Schwelle bei 1.500 US-Dollar. Pokerturniere unterliegen ab einem Nettogewinn von 5.000 US-Dollar der Meldepflicht. Interessanterweise sind Gewinne aus Tischspielen wie Blackjack, Roulette oder Baccarat für Ausländer häufig von der direkten Quellensteuer befreit, da hier die Dokumentation der Einsätze schwieriger ist. Dennoch besteht für das Casino eine Informationspflicht. Wer an einem Spielautomaten gewinnt, bekommt das Formular 1042-S ausgehändigt. Ohne dieses Papier ist eine spätere Rückerstattung faktisch unmöglich. Es enthält die persönliche Identifikationsnummer des Casinos sowie den genauen Steuerbetrag. Wer in Deutschland spielt, muss sich um solche Dinge nicht kümmern. In deutschen Online-Casinos mit GGL-Lizenz gilt der Glücksspielstaatsvertrag. Hier fließen Steuern im Hintergrund ab. Die 5,3 Prozent Einsatzsteuer nach Paragraf 43 des Rennwett- und Lotteriegesetzes zahlt der Betreiber. Der Spieler erhält stets den vollen Bruttogewinn ausgezahlt. Ein Vergleich zeigt die hohe Belastung in den USA deutlich auf. Die 30 Prozent sind ein massiver Einschnitt in die Bankroll eines jeden Spielers. Viele Profis nutzen deshalb spezielle Agenturen für die Rückforderung. Diese Dienstleister verlangen jedoch hohe Gebühren. Eine eigenständige Beantragung spart Geld, erfordert jedoch Geduld. Die Bearbeitungszeit beim IRS in Austin, Texas, kann mehrere Monate dauern. Man benötigt zwingend eine ITIN, also eine Individual Taxpayer Identification Number. Diese Nummer fungiert als US-Steuernummer für Personen, die keine Social Security Number besitzen können. Der Antrag erfolgt über das Formular W-7. Hierbei müssen beglaubigte Kopien des Reisepasses eingereicht werden. In der Vergangenheit reichten einfache Kopien, doch die Sicherheitsregeln wurden verschärft.

Der Prozess der Rückerstattung über das Formular 1040-NR

Nachdem der Spieler wieder in Deutschland ist, beginnt die eigentliche Arbeit. Das Steuerjahr in den USA entspricht dem Kalenderjahr. Anträge auf Rückerstattung können erst im Folgejahr ab dem 1. Februar eingereicht werden. Das zentrale Dokument ist die Steuererklärung für Ausländer ohne Wohnsitz, das Formular 1040-NR. In diesem achtseitigen Dokument müssen alle US-Einkünfte des Vorjahres aufgelistet werden. Auf Seite 4 trägt man die Casinogewinne ein. Wichtig ist die Angabe des korrekten Tax Treaty Codes für Deutschland. Da Deutschland ein umfassendes Abkommen mit den USA hat, reduziert sich der Steuersatz rückwirkend auf null Prozent. Man fordert also die gesamte Einbehaltung zurück. Oft verlangt der IRS zusätzliche Nachweise über die Verluste während des Aufenthalts. Ein Spieler darf Gewinne nur mit Verlusten aus derselben Tätigkeit verrechnen. Wer also 5.000 US-Dollar gewonnen hat, aber nachweislich 4.000 US-Dollar an anderen Automaten verlor, versteuert theoretisch nur 1.000 US-Dollar. Da aber das Doppelbesteuerungsabkommen greift, ist die Verlustrechnung für Deutsche meist sekundär. Die Steuerfreiheit im Heimatland ist das stärkere Argument. Trotzdem sollte jeder Spieler ein Spielertagebuch führen. Darin sollten Datum, Ort, Art des Spiels und die Ergebnisse stehen. Auch Quittungen über Hotelübernachtungen oder Casinotickets dienen als Indizienbeweis. Der IRS prüft Stichproben sehr genau. Fehler im Formular führen zur sofortigen Ablehnung ohne Rücksprache. Man erhält dann lediglich einen Standardbrief in englischer Sprache. Die Kommunikation mit Behörden in den USA erfolgt fast ausschließlich per Post. E-Mails haben keine Rechtskraft bei Steuerfragen. Ein Scheck über die Erstattungssumme kommt dann per Luftpost nach Deutschland. Diesen Scheck bei einer Sparkasse oder Volksbank einzulösen, kostet wiederum Gebühren zwischen 15 und 50 Euro. Es ist eine langwierige Kette von Verwaltungsschritten. Wer sich den Stress sparen will, nutzt lizenzierte deutsche Portale. Dort ist die Rechtslage klar und der Support spricht Deutsch. Die GGL überwacht die Einhaltung sämtlicher Regeln zum Spielerschutz. Wer merkt, dass die Jagd nach Gewinnen oder Steuerrückerstattungen zur Belastung wird, sollte Hilfe suchen. Die BZgA bietet unter 0800 1 372 700 eine kostenlose Beratung bei problematischem Spielverhalten an.

Besonderheiten bei Sportwetten und Pokerturnieren

Sportwetten boomen in den USA seit der Aufhebung des landesweiten Verbots durch den Supreme Court. Die steuerliche Behandlung folgt jedoch ähnlichen Regeln wie bei Casinos. Auch hier wird ab Quoten von 300 zu 1 und Gewinnen über 600 US-Dollar oft einbehalten. Bei Pokerturnieren ist die Lage für Deutsche besonders spannend. Das Preisgeld wird oft sofort gekürzt, wenn der Spieler keine ITIN vorlegen kann. Einige große Casinos in Las Vegas haben spezielle Büros, die bei der Beantragung einer ITIN vor Ort helfen. Dies erspart die spätere Postkorrespondenz mit der Botschaft. Wer professionell Poker spielt, hat jedoch ein anderes Problem. Das Finanzamt in Deutschland könnte solch ein Einkommen als gewerblich einstufen. Dann greift die Steuerfreiheit für Glücksspiel nicht mehr. Paragraf 15 des Einkommensteuergesetzes findet dann Anwendung. Es folgt eine Besteuerung mit dem persönlichen Steuersatz durch das heimische Finanzamt. Für Hobby-Spieler bleibt es jedoch bei der Steuerfreiheit. Der Nachweis des Hobby-Status gelingt meist durch den Hauptberuf. Wer 40 Stunden pro Woche als Angestellter arbeitet, kann schwerlich als gewerblicher Pokerspieler gelten. Dennoch behält der IRS die 30 Prozent erst einmal ein. Es ist ein Sicherheitsmechanismus des US-Staates. Man möchte verhindern, dass Kapital unversteuert das Land verlässt. Der Prozess der Rückforderung ist für Amerikaner eine Selbstverständlichkeit, für Europäer eine bürokratische Hürde. Es gibt spezialisierte Kanzleien in Florida oder Nevada, die auf Contingency Basis arbeiten. Sie behalten einen Teil der Rückerstattung als Honorar ein. Das ist legal, aber oft unnötig. Mit den Anleitungen auf der IRS Website und dem Text des Doppelbesteuerungsabkommens ist der Antrag machbar. Man muss lediglich die englischen Fachbegriffe verstehen. Begriffe wie Withholding Agent oder Exempt Income dürfen nicht verwechselt werden. Ein falsches Kreuz bei der Frage nach dem steuerlichen Wohnsitz führt zu Komplikationen. Bei Online-Casinos mit Sitz in der EU gab es früher ähnliche Probleme. Heute ist der Markt durch nationale Lizenzen streng getrennt. Wer auf Seiten mit GGL-Zulassung spielt, unterliegt dem deutschen Rechtsschutz. Das bedeutet Sicherheit bei der Auszahlung und keine Sorgen vor US-Behörden. Man spielt in Euro, gewinnt in Euro und bekommt den Betrag ohne Abzüge auf das Bankkonto. Die Transparenz ist hier deutlich höher als beim Spiel in der Wüste von Nevada.

Unterschiede zwischen staatlichen Steuern und Bundessteuern

In den Vereinigten Staaten gibt es zwei Ebenen der Besteuerung. Die hier behandelten 30 Prozent beziehen sich auf die Federal Tax, also die Bundessteuer. Einige Bundesstaaten wie Nevada erheben keine eigene Einkommensteuer auf Glücksspielgewinne. Das ist ein großer Vorteil für Besucher von Las Vegas. Wer jedoch in Staaten wie Illinois oder New Jersey gewinnt, könnte zusätzlich mit State Taxes konfrontiert werden. Diese liegen meist zwischen 3 und 10 Prozent. Das Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland bezieht sich primär auf die Bundessteuern. Die Rückforderung von State Taxes ist oft wesentlich komplizierter oder gar unmöglich für Ausländer. Hier entscheiden die Gesetze des jeweiligen Einzelstaates. In Nevada bleibt dem Spieler dieser Schritt erspart. Die Federal Tax bleibt jedoch die größte Hürde für den deutschen Touristen. Die ITIN wird vom IRS einmalig vergeben und behält ihre Gültigkeit, solange sie regelmäßig genutzt wird. Wenn man drei Jahre lang keine Steuererklärung einreicht, verfällt die Nummer. Man muss den Prozess der Passbeglaubigung dann erneut durchlaufen. Viele Spieler unterschätzen die Dauer der Korrespondenz. Ein Brief nach Washington oder Texas benötigt sieben bis zehn Tage. Die Antwort der US-Behörde lässt oft vier Wochen auf sich warten. Wer kurz vor der Verjährung steht, bekommt Zeitprobleme. Die Verjährungsfrist für die Rückforderung beträgt in der Regel drei Jahre ab dem Tag der Einreichungsfrist der Steuererklärung. Wer im September 2023 gewonnen hat, muss die Erklärung für 2023 bis April 2027 eingereicht haben. Diese langen Fristen geben Spielern genug Zeit, alle Unterlagen zu sammeln. Dennoch sollte man zeitnah handeln. Wer Dokumente verliert, kann keine Kopien beim Casino anfordern, da diese oft keine Langzeitarchive für anonyme Barzahler führen. Nur wer seine Player Card genutzt hat, hat eine Chance auf ein Duplikat des 1042-S Formulars. Die Player Card dient dem Casino zum Tracking des Spielverhaltens. Für den Spieler ist sie in diesem Fall ein wichtiges Beweismittel. Im deutschen Online-Glücksspiel übernimmt diese Aufgabe das Spielerkonto. Alle Transaktionen sind dort lückenlos dokumentiert. Der Spieler kann jederzeit Auszüge für das Finanzamt herunterladen. Das schafft Rechtssicherheit für beide Seiten. Es gibt keine bösen Überraschungen bei der Auszahlung. Wer jedoch im Ausland spielt, trägt die Beweislast selbst. Die US-Steuergesetze sind streng und verzeihen keine Nachlässigkeit. Wer Hilfe bei Spielproblemen benötigt, findet diese in Deutschland kostenfrei. Unter der Nummer 0800 1 372 700 informiert die BZgA anonym über Schutzmaßnahmen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Gewinnen und Steuern gehört zum sicheren Spiel dazu und schützt vor finanziellen Fallen im In- und Ausland.

Häufig gestellte Fragen

Wie hoch ist die Steuer auf Gewinne in US-Casinos für Deutsche?

Casinos in den USA behalten bei Gewinnen über 1.200 US-Dollar (Slots) eine Quellensteuer von 30 Prozent ein. Deutsche können diese Summe aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommens komplett zurückfordern.

Was ist das Formular 1042-S?

Das Formular 1042-S ist der offizielle Beleg des Casinos über den Gewinn und die einbehaltene Steuer. Dieses Dokument ist zwingend erforderlich, um einen Antrag auf Rückerstattung beim IRS zu stellen.

Benötige ich eine US-Steuernummer für die Rückerstattung?

Ja, für das Verfahren ist eine Individual Taxpayer Identification Number (ITIN) notwendig. Diese wird mit dem Formular W-7 beim IRS beantragt und dient der Identifikation gegenüber der US-Finanzbehörde.

Sind Casinogewinne aus den USA in Deutschland steuerpflichtig?

Nein, reines Glücksspiel ist in Deutschland für Privatpersonen steuerfrei. Die Rückerstattung aus den USA führt nicht zu einer Steuerlast beim deutschen Finanzamt, sofern kein gewerbliches Spiel vorliegt.

Wie lange dauert die Rückzahlung des IRS?

Der Prozess ist zeitaufwendig und dauert meist drei bis neun Monate. Die Bearbeitung der Steuererklärung 1040-NR erfolgt zentral in Texas und der Scheckversand nach Deutschland erfolgt per Post.

Gilt die 30-Prozent-Regel auch für Tischspiele wie Roulette?

In der Praxis behalten Casinos bei klassischen Tischspielen oft keine Steuer ein, da die genauen Gewinnsummen schwerer zu protokollieren sind. Dennoch sind Spieler theoretisch zur Angabe verpflichtet.

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